la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Stärke und Verblassen

11 Kommentare

Die ABC-Etüden bei Christiane.

Jede Woche 3 vorgegebene Wörter, die zu einem Text aus maximal 10 Sätzen gemacht werden sollen.

Manche Wörter sind so abgedroschen und ausgelutscht, dass sie dem von ihnen Beschriebenen nicht mehr gerecht werden. Wie kann das erschöpfte, geschändete Wort „Frühlingserwachen“ noch die Kraft und Schönheit der Natur beschreiben? In jedem Frühling täglich millionenfach verwendet, steht es kurz vor dem Kollaps.

Es gibt auch überstrapazierte Gedichte, die schon reflexartig von fast jedem zitiert werden. So schön und bildgewaltig sie sein mögen, kommen sie doch völlig erschöpft aus der Mangel des Unendlichoftzitierens heraus. Mörikes blaues Band liegt schlapp im Kunstschnee, umgeben von Rilkes von weit fallenden Blättern. Worte brauchen Raum, Zeremoniell, Wertschätzung und immer wieder neue Aufgaben, sonst verkümmern sie zu dummdreisten Geplapperutensilien. Ein Hoch auf die lebendigen Sprachen mit aktiven, beweglichen, kraftvollen  Wörtern, die sich immer wieder neu präsentieren dürfen, in neuem Zusammenhang; die so reich sind, dass für jede Bedeutung zahlreiche Synonyme zur Verfügung stehen, dass jeder Satz neben sich eine Fülle von anderen möglichen Sätzen hat, die dasselbe ausdrücken können.

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11 Kommentare zu “Stärke und Verblassen

  1. Und doch kommt man sich so klein und nichtssagend vor, wenn man sich selbst an Gedichte und Co. heranwagt.
    Genauso müssen sich die großen Künstler früher in ihr Kämmerlein gefühlt haben, wenn sie ein Blatt nach dem Nächsten beschrieben und zerknüllt in die Ecke warfen.
    Da hilft heute auch kein Internet, eher fühlt man sich dann noch unbedeutender bei all den tollen Schreibern und Dichtern.

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  2. Allerdings ist unser “Gedächtnis“ durchs WWW viel größer geworden.
    Jeder kann heute irgendwie ALLES wissen. Und wenn ich sehe, wie viele schreiben, malen, dichten etc… durch den globalen Austausch… was einfach auch alles möglich wurde… irgendwie unglaublich!

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  3. Ja, mit geht es beim Schreiben auch so, dass ich denke : das ist zu abgedroschen… das wurde alles schonmal gesagt. Durch die Verbindung im Netz noch einmal mehr. Früher schrieb der Goethe und noch ein paar andere in einem Kämmerlein, die sich schon untereinander kaum austauschen konnten und heute? Ich glaube, irgendwann ist alles gesagt. Wir haben alles schonmal gehört. Was dann?
    LG

    Gefällt 2 Personen

    • Diesen Gedanken hatte ich auch schon. Ich glaube es ist sehr vieles gesagt, aber die Sprache ist eben so reich, dass man es auf viele verschiedene Arten sagen kann. Und „zum Glück“ leben wir Menschen nicht lange genug um wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben ….

      Gefällt 3 Personen

    • Es gibt da eine nette Geschichte von einem Affen, den man vor eine Schreibmaschine setzt. Er schlägt wahllos auf die Tasten, um so einen Roman von sagen wir 283 Seiten zu schreiben (oder auch kürzer, wenn Du willst). Und jetzt die Frage: wie lange würde es dauern, bis ein zweiter Affe an der selben Schreibmaschine genau den gleichen Text wie der erste Affe getippt hätte?

      Die Frage kannst Du selbst beantworten. Aber bei uns Menschen kommt ja noch hinzu, dass wir Gefühle, Ahnungen, Sehnsüchte (und manchmal einen Sinn oder Hintersinn) in unseren Zeilen verstecken. Selbst bei gleichen Worten kann die Empfindung des Lesers dann ganz anders sein.

      Und wer weiss: der Zeitgeist wandelt sich, und vielleicht finden wir eines Tages die alten Kamellen wieder gut?

      LG Werner

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  4. „Dummdreiste Geplapperutensilien“ gefällt mir jetzt sehr. Als jemand mit einem regelmäßigen Gedicht kann ich dir leider nur zustimmen, mich erwischt es reflexartig allerdings meist im Herbst, dass ich Rilke („Wer jetzt kein Haus baut“) zitieren muss. Und, ernsthaft, es gibt viele großartige Gedichte, aber ich habe mich entschieden, mich in den engen, juckenden Grenzen des deutschen Urheberrechts zu bewegen … und fluche.
    Liebe Grüße
    Christiane

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