22. Station der Literaturweltreise – USA

Ein schon fast Klassiker, den ich endlich gelesen habe und unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Zeit ziemlich schnell.

„Festhalten am Herkömmlichen ist nicht sittliches Verhalten.

Selbstgerechtigkeit ist nicht Frömmigkeit.

Erstere schmähen heißt nicht letztere anfechten“

Charlotte Bronte, 1847

 

Es geht zunächst um ein Waisenhaus, das von einem Arzt geführt wird, der sowohl Entbindungen als auch Abtreibungen durchführt. Die Kinder werden nach ihrer Geburt sofort in das Waisenhaus übernommen. Ihre Mütter verschwinden wieder in den Tiefen der Geschichte; ebenso wie die Frauen, die eine Abtreibung vornehmen ließen. Nach Ansicht des Arztes sollte jede Frau frei wählen können, ob sie eine Abtreibung oder eine Waise möchte. Das könnte zynisch klingen, ist aber einfach eine realistische Einschätzung der Situation. Man hat den Eindruck, dass dieses Waisenhaus außerhalb der Welt liegt, mit der es nur über die Zugverbindung und den nahe gelegenen Bahnhof verbunden ist. Der Arzt und die beiden Krankenschwestern, die Spital und Waisenhaus führen, sind sich darüber einig, dass sowohl die Geburten, die als „Gottes Werk“ bezeichnet wurden als auch die Abtreibungen, die man „Teufels Beitrag“ nannte im Grunde beide „Gottes Werk“ sind.

Eines der Waisenkinder ist Homer Wells. Er fällt zunächst dadurch auf, dass er bei mehreren aufeinanderfolgenden Adoptionen extremes Pech hat und aus verschiedenen Gründen immer wieder ins Waisenhaus zurückkommt. Schließlich ist er einfach zu alt für eine Adoption und obendrein beginnt Dr. Larch ihn als seinen Nachfolger ins Auge zu fassen. Tatsächlich wird er doch noch „adoptiert“ von einem ungefähr gleichaltrigen Paar, das wegen einer Abtreibung ins Waisenhaus kommt. So lernt Homer das Leben auf einer großen Apfelplantage kennen und viele Spielarten der Liebe.

Eine große Anzahl verschiedenartigster Figuren lebt in diesem Buch; Haupt- und Nebenfiguren sind überaus lebendig und plastisch dargestellt mit all ihren Tiefen und Absonderlichkeiten. Auch die Schilderung der Welt der von einer Plantage zur nächsten ziehenden Apfelpflücker finde ich sehr gut gelungen ebenso wie die ungewöhnliche Figur der Waise Melony. Insgesamt wird es mir als opulentes Erzählwerk in Erinnerung bleiben.

7 Gedanken zu “22. Station der Literaturweltreise – USA

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