la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Nicht ein Palästinenser in Sicht

12 Kommentare

Geschichten zum Thema Friseur liegen in der Luft  –  bei Ingrid und  bei Herrn Moser  und gestern habe ich einen Text über einen Friseurbesuch  gelesen, der  mir so richtig bewusst gemacht hat, wie unheimlich fad es bei meiner Friseurin ist. Nicht, dass ich bis jetzt daran gedacht hätte, dass ein Friseurbesuch Potential für Unterhaltung hätte, aber nach Lektüre des Kafka-on-the-road-Textes sind mir da echte Zweifel gekommen.

Wie der Zufall so spielt, war ich heute auch beim Friseur. Da gab es aber keine Allgemeinaraber und keine Palästinenser und keine Israelis nur die üblichen Friseurinnen, Migrationshintergrund, 2. Generation. Also in Wien ungefähr so exotisch wie eine Busstation oder ein Würschtlstand. Statt interessanter Betrachtungen über das Selbstverständnis von Palästinensern, gab es nur die jahreszeitlich inspirierten Fragen zur Einleitung der Konversation. Am 21. Dezember natürlich „Sind Sie schon mit den Weihnachtsvorbereitungen fertig ?“ Diese immer gleichen Fragen bringen erstaunlich viele Kundinnen dazu ausführliche Schilderungen ihres Lebens darzubieten und die Friseurinnen können dann abschalten und müssen nur gelegentlich zustimmendes Gemurmel von sich geben.

Nach Weihnachten kommt dann „Sind Sie gut gerutscht“. Bis zu der Osterfrage „haben Sie schon alles für die Osterfeiertage vorbereitet“ ist da etwas zuviel Raum, der mit irgendwelchen Bemerkungen allgemeiner Natur gefüllt werden muss, etwa „wie gehts den Kindern ?“ oder „wie gehts den Enkeln?“ Nach Ostern wird dann schon langsam in Richtung Sommer gedacht „Haben Sie schon den Urlaub geplant?“. Ab September heißt es dann „Wie war denn der Urlaub“, dann muss man sich eine Weile behelfen mit „Wie die Zeit vergeht es ist schon wieder September/Oktober/November“, aber dann eröffnet sich wieder „Haben Sie schon alle Geschenke für Weihnachten?“ und so weiter und so fort. Man erahnt die Faszination dieser Unterhaltungen.

Heute lauschte ich ergriffen den Hinweisen auf die perfekte Zubereitung von Karpfen. Karpfen gehören nicht zu den Fischen, die ich gerne esse. Entsprechend spannend fand ich die Rezepte. Auf der anderen Seite wurde das sattsam bekannte Weihnachtstauwetter besprochen. Die Friseurin, die mich mit Strähnchen verschönte, ist eine gnadenlose Zustimmerin. Egal, was jemand sagt, sie kontert mit „genau“. Und würde ich im selben Satz behaupten „Ich esse täglich Karpfen und ich esse nie Karpfen“ so würde sie mit 99%iger Wahrscheinlichkeit „genau“ sagen. Das eine Prozent lässt die Möglichkeit offen, dass sie sich gerade verschluckt oder einen Trapisteneid abgelegt hätte. Aber wer weiß, ob das nicht eine gute Taktik ist um die schläfrige Atmosphäre des Salons zu erzeugen. Letztlich ging ich entspannt nachhause …

12 Kommentare zu “Nicht ein Palästinenser in Sicht

  1. herrlich wie du es beschreibst

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  2. Beim nächsten Mal musst du einen Fehler einbauen, so merkst du ob sie wirklich zuhört. Das wird ein Spaß.

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  3. Hahaha! Palästinensische Friseure brennen manchmal die Haare ab. Das ist eine Kunst. Und Friseur besuche, da lernt man für s Leben. Ich hab letzte Woche alles über die Trennung eines hier sehr angesehenen Geschäftsmannes erfahren. Am ende sagten beide Frauen: Eigentlich ist mir das egal. Aber dieses egal dauerte ne ganze Stunde! Viele Grüsse! Kat.

    Gefällt 5 Personen

  4. Allgemeinaraber und Palästinenser haben Fragen zu Weihnachten ? Das würde mich stutzig machen.

    Wer Karpfen isst, hat noch den Krieg erlebt, anders ist das nicht zu erklären.

    Gefällt 3 Personen

    • Wo hast du denn gelesen, dass Araber und Palästinenser Fragen zu Weihnachten stellen ?
      Karpfen ist bei uns ein traditionelles Weihnachtsessen. Mir schmeckt er auch nicht, aber jedem das seine ……

      Liken

  5. Ich hätte deinen Friseur meinem vorgezogen. Zwar sind die Gespräche auch bei normalen Herrenfriseuren nicht besonders interessant (in Berlin sind es gern die Staus oder wenn man sagt, dass man kein Auto hat die BVG/S-Bahn) aber wenigstens laufen die Gespräche dezent ab, und nicht in Presslufthammerlaustärke, wie bei den beiden arabischen Predigern. Danke fürs Verlinken.

    Gefällt 2 Personen

  6. ich verzichte auf jede unterhaltung, wenn ich nachher halbwegs ansprechend aussehe. nicht so wie bei diesem mal für wochen haarverdorben.

    Gefällt 2 Personen

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