la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

20. Station der Leseweltreise – Myanmar

20 Kommentare

Es ist mir zufällig zwischen die Finger gekommen, ein kleines Buch zu einem Land, von dem ich nicht viel weiß, das mich allerdings meiner Illusionen darüber beraubt hat, dass Buddhisten und gar buddhistische Mönche nicht gewalttätig werden. Auch meine Vorstellung, dass eine Friedensnobelpreisträgerin, die unter der Militärdiktatur in ihrem Land schwer gelitten hat, selbst eine gerechtere Herrschaft ausüben wird, hat sich leider in Luft aufgelöst.

Das kleine Buch ist aber 2007 herausgekommen und erzählt in kurzen Kapiteln über die Besonderheiten Myanmars, seine landschaftlichen und architektonischen Schönheiten, seine Volksgruppen und Kulturen:

„Asiens wahrem Antlitz ist Bernd Schiller auf seinen Reisen durch ein magisches Land begegnet: Der Ewigkeit auf der Schwedagon-Pagode hoch über Yangon, wenn die Morgensonne die Kuppel in glänzendes Gold taucht, den heilige Bergen, wo Buddha und diverse Geister in guter Nachbarschaft wohnen und dem beschwerlich-trägen Lauf des Lebens an den Ufern des Ayeyarwady, wo Ochsenkarren wie seit Jahrhunderten auf Lastkähne warten“

 

Aung San Suu Kyi: Myanmars Stimme der Freiheit, die zur Gewalt stumm bleibt


Die Friedensnobelpreisträgerin wird für ihr Schweigen angesichts der Verfolgung der Rohingya kritisiert. Dass Demonstranten in aller Herren Länder mit dem Antlitz von Aung San Suu Kyi für ihre Sache werben, überrascht nicht: Jahrelang war die heute 72-Jährige die prominenteste politische Gefangene der Welt. Ihr Name stand emblematisch für gewaltfreien Widerstand gegen Gewaltherrschaft – und gegen jene der myanmarischen Generäle im Speziellen, die sie von 1989 bis 2011 mit Unterbrechungen in Hausarrest isolierten, aber auch gegen alle anderen Diktatoren, für die Menschenrechte herzlich wenig zählen. Neu ist freilich, dass Demonstranten von Pakistan bis Indonesien die Plakate, auf denen die Friedensnobelpreisträgerin zu sehen ist, verbrennen, ihr Gesicht mit Hitler-Bart versehen oder schlicht durchstreichen.

Suu Kyi, die seit den ersten freien Wahlen 2015 Myanmar als „Staatsrätin“ de facto regiert, ist tief gefallen. „Nicht die Macht korrumpiert“, schrieb sie in ihrem 1991 erschienenen Buch „Freedom from Fear“, „sondern die Angst, sie zu verlieren.“ Nun scheint es so, als halte gerade sie ebenjene Angst fest im Griff. Die Mutter zweier Söhne, von denen sie während ihres Hausarrests so lange getrennt war, schwieg, als Myanmars Armee hunderte Zivilisten der muslimischen Rohingya-Minderheit ermordete, Dörfer brandschatzte und Hunderttausende vertrieb. Als die Uno das Vorgehen der Soldaten als „ethnische Säuberung“ bezeichnete, sprach sie von „Fake-News“ und von „Terroristen“, die man bekämpfen werde.

Den geplanten Besuch in New York, wo die Uno-Generalversammlung tagt, sagte Suu Kyi kurzfristig ab. Die einstige Ikone sei eben „eine Politikerin durch und durch und habe als Ziel einzig ihre Wiederwahl“, konstatierte die Uno-Sonderberichterstatterin. Tatsächlich werfen Kritiker der in Oxford ausgebildeten Tochter eines Unabhängigkeitskämpfers schon länger mangelnde Empathie für die Rohingya vor, die von vielen im mehrheitlich buddhistischen Land als Einwanderer betrachtet und abfällig „Bengalis“ genannt werden. Dass sich Suu Kyi weder mit der noch immer allmächtigen Armee überwerfen noch auf die Stimmen der buddhistischen Nationalisten, die den Muslimen sämtliche Bürgerrechte absprechen, verzichten will, könnte ein Grund dafür sein, dass Myanmars so lange unterdrückte Stimme der Freiheit nun nicht für die unterdrückte Minderheit im eigenen Land laut werden will.

Florian Niederndorfer, 13.9.2017 – derstandard

 

20 Kommentare zu “20. Station der Leseweltreise – Myanmar

  1. Da merkt man wieder was die Medien verbreiten und was nicht.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich bin vorsichtig mit Urteilen und Verurteilungen. Ich weiß zu wenig über das Land und seine besondere Geschichte. So viel ich weiß, waren den Übergriffe auf die muslimische Volksgruppe terroristische Angriffe auf das Militär vorausgegangen? welches waren die Ziele der islamischen Aktivisten? Waren es Inländer oder Ausländer? Welchen Spielraum hat eine Präsidentin?
    Der Übergang von einem Militärregime zu einer Demokratie ist sicher ein schwieriger Balanceakt und voller Fallstricke.

    Gefällt 3 Personen

    • Da stimme ich dir durchaus zu, dennoch verurteile ich das Schweigen einer Präsidentin und Friedensnobelpreisträgerin zu Massakern an einer ganzen Volksgruppe und Vertreibungen von zigtausenden Menschen, Männern, Frauen und Kindern, die unmöglich alle Terroristen sein können. Ziemlich wahrscheinlich könnte sie das Problem der Rohingya nicht im Alleingang lösen, aber ich finde , dass sie sich zumindest dazu äußern müsste, dass sie diese Brutalität verurteilen müsste.

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  3. Pingback: BUCHweltreisebericht Oktober 2017 | umgeBUCHt

  4. hier wurde schon alles ueber Macht etc geschrieben. Das Land selber zum Ansehen, das ist wunderschoen. Als Tourist ist es wirklich ein ausgesrpochen herrliches Ziel. Es gibt soooo viel zu sehen, und man wird nicht satt, immer etwas Neues zu Entdecken. Wir waren vor einigen Jahren dort, als wir zum Sabbatikal in Chiang Mai waren. Von dort war es ja nicht weit.
    Es gab damals keine Telefon Verbindungen von dort, keine auslaendische Zeitungen, man war ziemlich von der „normalen“ Welt abgeschnitten.

    Gefällt 1 Person

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