la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

11. Station der literarischen Weltreise – Who the fuck is Kafka ?

16 Kommentare

Endlich habe ich es geschafft wieder eine Literaturreise-Etappe abzuschließen. Es war eine ganz besonders interessante Gratwanderung durch Jerusalem und Tel Aviv.

Ein außerordentlich empfehlenswertes Buch. Es geht nicht um große politische Linien, nicht darum wer Recht oder Unrecht hat. Die wahrhaftig tragischen Konflikte sind ja bekanntlich jene, bei denen beide oder alle Seiten von ihrem Standpunkt aus Recht haben. Es geht um die ganz persönlichen, alltäglichen Befindlichkeiten zweier Menschen, eines Palästinensers und einer Israelin, beide Friedensaktivisten. Es ist keine Liebesgeschichte, es ist die Geschichte einer Begegnung, die nur außerhalb von Israel einigermaßen entspannt sein kann. Der Alltag der beiden ist schwierig und immer sind an den Schwierigkeiten die jeweils anderen beteiligt.

Wahre Lebenskunst besteht auch darin in schwierigsten Lebenssituationen Heiteres sehen zu können. Das beherrscht Lizzie Doron. Obwohl hier ein praktisch auswegloser, hoffnungslos verfahrener Konflikt beschrieben wird, gibt es doch immer wieder Gelegenheit zu schmunzeln.

Ungewöhnlich an dem Buch ist, dass es weder um Erklärungen noch um Rechtfertigungen geht, es wird einfach beschrieben wie eine Israelin im heutigen Tel Aviv und ein Palästinenser mit israelischem Pass im heutigen Jerusalem lebt. Die Frau des Palästinensers lebt auch in Jerusalem aber ohne israelischen Pass und könnte daher falls sie ihre Familie in Gaza besuchte nicht mehr zurück nach Jerusalem zu Mann und Kindern.

Trotz durchaus auch kritischer Anmerkungen zu beiden Seiten gelingt es der Autorin sehr gut Verständnis zu wecken. Auch Verständnis für die israelische Seite, die davon international ja nicht allzuviel abbekommt. Sie schildert ihr Leben als Tochter einer schwer traumatisierten KZ-Überlebenden, die ihrer Tochter – in bester Absicht – beigebracht und vorgelebt hat, nichts und niemandem zu trauen und nicht zuviel zu reden in einem winzigen Land, das von allen Seiten von mehr oder weniger feindlichen Ländern umgeben ist, in ihrem Alltag in dem sehr häufige Gedenktage an ermordete Angehörige vorkommen und die allgegenwärtige Angst vor Anschlägen. Dabei betont aber die Autorin mehrmals, dass es ihr schon klar sei, dass es den Palästinensern noch schlechter gehe.

Ein Buch, das keine Friedenswölkchen am Horizont ausmachen kann, das aber sehr viele Einblicke ermöglicht.

 

16 Kommentare zu “11. Station der literarischen Weltreise – Who the fuck is Kafka ?

  1. Pingback: 18.Station der literarischen Weltreise – Israel 2 | la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

  2. das ist wohl einer der tragischsten konflikte, den die welt gesehen hat. ich kann mir vorstellen, dass das buch sehr interessant ist, aber bestimmt keine leichte kost. ich glaube auch, dass das erbe des zweiten weltkriegs auch von unserer generation noch getragen wird, auf unterschiedlichste art und weise, da jeder von uns jemanden kannte, der den krieg noch selbst erlebt hat.

    Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: BUCHweltreisebericht Juni 2017 | umgeBUCHt

  4. Ich habs auch vor kurzem gelesen und empfehle es sehr.

    Gefällt 2 Personen

  5. das Buch werde ich auf alle Faelle lesen. Ich werde es mir vorbestellen, mit meinen Handarbeitsbuechern. Dann heben sie es mir auf, bis wir wieder mal in Deutschland sind. Hier bei uns ist es wahrscheinlich nicht zu bekommen oder dann um einiges teuerer. danke schoen fuer Vorstellen. Das interesseriert mich natuerlich

    Gefällt 1 Person

    • Gerne. Jerusalem kommt in dem Buch oft vor, vor allem Ostjerusalem und ich denke, da wirst du freiwillig nicht so oft hingehen …. Es ist wirklich ein Buch, dass versucht Vorurteile von allen Seiten ein bisschen aufzubrechen. Ich glaube, ich werde auch noch „das Schweigen meiner Mutter“ von ihr lesen. Das klingt auch sehr interessant

      Gefällt 2 Personen

      • Das Schweigen unserer Eltern, aus dem selben Grunde, das war immer fuer uns auch ziemlich schwer, speziell als wir aelter wurden.

        Gefällt 1 Person

        • Geschwiegen wird und wurde auch auf der anderen Seite. Ich kann mich an ein einziges Mal erinnern, zu dem mein Vater von seinen Kriegserlebnissen als 17-jähriger Kindersoldat erzählt hat. Das war aber so schlimm, dass ich gut verstanden habe, dass er nicht darüber reden wollte

          Gefällt 1 Person

          • ja, das was da passierte, ueber das ist auch sehr sehr schwer zu reden, egal von welcher Seite.

            Gefällt 1 Person

            • Ja, und es ist auch nicht leicht zuzuhören, wenn man jemanden trifft der/die erzählt …. Ich kenne das auch aus der Schule, wenn es einen Vortrag von Zeitzeugen gibt. Ich bewundere es sehr, dass Menschen in hohem Alter noch die Motivation und die Kraft aufbringen, von ihrem Leben zu erzählen, ganz persönlich und hautnah. Die Jugendlichen sind auch immer sehr betroffen, viele weinen. Das Trauma reicht noch bis in diese Generation hinein ….

              Gefällt 1 Person

      • „das Schweigen meiner Mutter“ habe ich gelesen, es hat mir die inneren Konflikte der zweiten Generation der Holocaust-Überlebenden nähergebracht und mich tief beeindruckt. Nun werde ich gerne auch noch das von dir empfohlene „Who the fuck is Kafka“ lesen, vielen Dank!

        Gefällt 2 Personen

  6. Du beschreibst ein sehr berührendes, lesenswertes Buch. Danke für’s Vorstellen.
    Herzlich. Priska

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s