la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Ausbildungskatastrophen und Parallelgesellschaften

5 Kommentare

Katastrophale Berichte aus Wiener Volksschulen. Immer mehr „Brennpunktschulen“ zeichnen sich ab. Es ist nicht so, dass die Lage dieser Schulen neu wäre, es wurde nur nicht viel darüber gesprochen. Die Maßnahmen mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache greifen nicht wirklich. Offenbar ist der Faktor „bildungsfernes Elternhaus“ viel stärker als der Faktor „nicht-deutsche Muttersprache“. Die Flüchtlingskinder, die sprachlich wirklich bei Null anfangen, haben viel weniger schulische Probleme als die in Österreich geborenen und aufgewachsenen Kinder aus hauptsächlich türkischen, bildungsfernen Familien.

Es ist erschütternd, dass der Lebensweg 5-jähriger Kinder praktisch vorgezeichnet ist, weil sie in ihrem Elternhaus keinerlei Förderung oder auch nur Unterstützung bekommen können. Die für die Erziehung meist allein zuständigen Mütter sind oft selbst fast Analphabetinnen, können kein Wort Deutsch, weil sie sich nur innerhalb der eigenen Parallelgesellschaft  bewegen und überhaupt kaum aus dem Haus gehen. Die Kinder lernen außer der eigenen Wohnung nichts kennen, außer (türkischem) Fernsehen gibt es keinerlei Freizeitaktivitäten. Eine österreichische Durchschnittsfamilie im gleichen sozialen Sektor macht mit den Kindern Ausflüge, spielt mit ihnen, liest ihnen auch einmal vor. Ganz zu schweigen von der Förderung, die ein Kind aus gebildeten Bevölkerungsschichten bekommt. Es liegen Welten zwischen den Erfahrungen der Kinder.

Man sieht ganz deutlich, wie die schlechte Stellung der Frauen in der türkischen community die Entwicklung hemmt, die nächste Generation an die gleichen schlechten Lebensbedingungen der Eltern geradezu fesselt. Die Kinder kommen in den Kindergarten und haben teilweise überhaupt keine Deutschkenntnisse obwohl sie in Österreich geboren sind. Sie werden auch nicht regelmäßig in den Kindergarten geschickt, weil die Familien bzw die Mütter jeder Art von Bildung und sei es auch nur dem Erwerb der Landessprache offenbar überhaupt keine Bedeutung zumessen.

Diese seit vielen Jahren bestehende Situation führt zu einem enormen Zulauf zu den Privatschulen, den ich nicht sehr positiv finde, weil er die sozialen Abgründe noch vertieft. Nur können eben noch so gute Angebote nichts ausrichten, wenn sie nicht angenommen werden.

Die Situation ist wirklich traurig. In den höheren Schulen, in denen es ohnehin nur einen ganz geringen Prozentsatz an türkischen Kindern gibt, schlagen die Irrtümer der Vergangenheit massiv zu. Die Fördermaßnahmen kommen dann zu spät. Jugendliche mit 16, 17 Jahren, die in ihrem bisherigen Leben nicht gelernt haben zu lernen, haben dann einfach keine Chance mehr, Grundlagenkenntnisse  aufzuholen, selbst wenn sie hochmotiviert wären.

Die nur scheinbare Durchlässigkeit des Systems und die Vogel-Strauß-Politik wird hier ganz klar. Kinder haben in der Hauptschule gute Noten, weil sie sich bemühen und auswendig lernen, die Prüfungen werden vorbereitet, ein sehr hoher Prozentsatz der HauptschülerInnen lernt gerade lesen und schreiben und das nicht nachhaltig. Nun können diese Kinder mit den guten Hauptschulnoten in eine Oberstufenschulform eintreten, scheitern dort aber kläglich.

 

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5 Kommentare zu “Ausbildungskatastrophen und Parallelgesellschaften

  1. die kulturell verankerten Wurzeln prägen einen Menschen nachhaltig, geben Idendität, geben Halt, wir fordern vieles von den Kindern, was sie verunsichert, vielleicht auch nicht immer Sinnvolles. Man stelle sich mal vor, wir
    müssten auf dem Balkan oder in der Türkei leben und zurechtkommen. Schaut wie sich die deutschen Auswanderer
    in Kanada oder sonstwo zusammenrotten, gerne unter sich bleiben (Muttersprache) usw. Kritik ist berechtigt, ein wenig Verständnis sollten wir aber auch aufbringen.Als Lehrerin ist es sicher sehr schwierig zu vermitteln, das
    glaube ich schon. In zwei verschiedenen Welten zu leben, besonders schwierig für die Mädchen, sie hängen immer
    dazwischen, die Anforderungen von zu Hause und die hohen Anforderungen von draussen.

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    • Es sind eigentlich nicht so sehr Anforderungen von draußen sondern das Bemühen ihnen zu ermöglichen das eigene Leben zu gestalten.
      In zwei Welten zu leben ist einerseits schwierig kann aber auch eine große Bereicherung sein.

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  2. Immer wieder schön zu lesen, dass ihr im Nachbarland die gleichen Probleme beherbergt wie wir in deutschen Schulen. Probleme, die bekannt sind, schon seit Jahren, Jahrzehnten und oft hausgemacht. Viele engagierte Lehrer verzweifeln und können sich nicht erklären, wie Türken, besonders Mädchen in bereits nachfolgender Generation immer noch den traditionellen Zwängen unterliegen. Und es dann auch noch gut finden, ich sage nur Kopftuch. Ach je, wohin wird das alles führen?

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  3. Du schreibst von Angeboten, die nicht wahrgenommen werden – liegt es vielleicht auch an der Art dieser Angebote und daran, wie sie vermittelt werden (oder eben nicht)? Ich denke an das positive Beispiel aus Brüssel, das ich kürzlich vorgestellt habe und bei dem etliche Akteure aus verschiedenen Bereichen, privat, schulisch und von amtlicher Seite zusammenarbeiten, und das mit langem Atem, seit einem guten Jahrzehnt. Hier ist auch nicht alles zum Besten, aber es ist ein Anfang, der zeigt, was möglich ist – und vor allem: dass es sich lohnt, der Hoffnungslosigkeit entgegen zu wirken

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    • Der Hoffnungslosigkeit entgegen zu wirken, lohnt sich wohl immer !! Da bin ich ganz bei dir. Das Problem in Österreich ist, dass die sehr große türkische community zu einem enormen Prozentsatz aus Menschen besteht, die ihre Lebensweise aus einer streng traditionellen, patriarchalen, ländlichen Kultur 1:1 beibehalten hat und weiter beibehält.
      Es mag schon sein, dass die Angebote anders vermittelt werden könnten, aber ich habe eigentlich den Eindruck, dass sehr viel guter Wille, Energie und Geld in Projekte fließt, deren Output eher bescheiden ist.
      Andere große Migrantengruppen, die vom Balkan kommenden Menschen zum Beispiel, verhalten sich ganz anders. Schon die zweite Generation ist mehrheitlich sozial und beruflich integriert, obwohl sie auch ihre kulturellen Traditionen pflegen.
      Erstaunlicherweise sind sogar viele Flüchtlinge, die gerade ein paar Jahre hier sind, flexibler und erfolgreicher als viele Angehörige der zweiten und dritten Generation der Türken,
      Es ist ein wirklich schwieriges Thema, das massive Probleme im Unterrichtswesen verursacht

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