la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

3. Station der Leseweltreise

8 Kommentare

img_0876Ich betrachte dieses Buch als eine Station in Portugal, obwohl der Autor Deutscher ist und auch in Deutschland lebt. Es werden weitere portugiesiche Stationen folgen.

Ich beginne einmal mit dem, was mir an dem Buch gefallen hat. Das ist einerseits, dass es in Lissabon spielt, einer Stadt, die ich gut kenne, nicht nur aus touristischer Sicht und sehr, sehr gerne mag, optisch und atmosphärisch und überhaupt. Und in diesem Buch ist die Stadt durchaus gut beschrieben ebenfalls optisch und atmosphärisch. Es hat mir Freude gemacht, die Orte der Handlung alle zu kennen und andererseits hat es auch ein gewisses Fernweh geweckt …

Außerdem hat mich sehr angesprochen, dass der Autor offenbar ein Geruchsmensch ist, ebenso wie ich selbst. Das Buch gewinnt mit einem olfaktorischen Eindruck, den ich aus der beschriebenen Gegend von Lissabon genau kenne und diese „Geruchsbeschreibungen“ ziehen sich durch den ganzen Text durch.

Wenn der erste Eindruck einer Stadt ein Geruch ist, sollte es nicht unbedingt, der von Stockfisch sein.

Henrik fühlte sich für eine Sekunde geneigt, die Tür des Taxis wieder zu schließen. Allerdings war die aufdringliche Schweißfahne des Taxifahrers keine echte Alternative zu dem luftgetrockneten Bacalhau, der hier zu Dutzenden von der Decke der Fischgeschäfte hing

Wie man aber auch schon an den ersten paar Sätzen sieht, handelt es sich hier um einen „Gebrauchstext“. Hat auch gepasst, ich habe dieses und noch ein anderes Buch (4. Station) zur Begleitung der Wundheilung in meinem Kiefer gelesen und dafür waren beide sehr geeignet.

Also der Lissabon-Erkennungsfaktor und das Ansprechen des Geruchssinns haben mir gefallen. Der Plot allerdings war absolut haarsträubend. Eine Mischung zwischen Mallorca-Kitsch und Verschwörungstheorie: der Protagonist, ein deutscher ehemaliger Polizist, hat von seinem unbekannten Onkel ein Haus in Lissabon geerbt und damit auch den Auftrag zunächst einmal einen Kriminalfall zu lösen, in dem der Autor alles untergebracht hat, was da so zur Verfügung steht: ermordete Kinder, ein wahnsinniger Wissenschaftler, Korruption bei der Polizei unter dem Salazar-Regime und aktuell, geheimnisvolle Verfolger, mächtige Familienclans. Wenn man über den allzu vollgepackten Plot, die schwächelnde Logik und die extreme Zeitraffung hinwegsieht (in 24 Stunden passiert, was man kaum in einer Woche unterbringen könnte) ist das Buch recht spannend zu lesen.

Die Figuren sind flach, was ich schade fand, weil sie durchaus mehr hergegeben hätten, auch im Rahmen so eines Tralala-Krimis. Und das Ende! Das einzige, was daran fehlt, ist die gläserne Kutsche vor der Tür (dafür steht dort ein Auto) und ein Superman-Outfit des Protagonisten (tatsächlich trägt er T-Shirts, die alle Augenblicke zerfetzt, verbrannt oder sonstwie beschädigt werden, weil er ja ununterbrochen über glühende Dächer rutscht, über Stacheldrahtzäune steigt, in finsteren Gassen überfallen wird etc )

Ein empfehlenswertes Buch, für Situationen in denen man von Medikamenten leicht betäubt und auch ansonsten nicht ganz fit ist.

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8 Kommentare zu “3. Station der Leseweltreise

  1. Pingback: BUCHweltreisebericht Januar 2017 | umgeBUCHt

  2. wunderschöne Rezension. Danke, ich werde das Buch nicht lesen – mag nicht weniger wie flache Figuren. und schon wieder Lissabon in einem von mir geschätzten Blog. An der Stadt muss was dran sein

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  3. Es gibt so Bücher, die eignen sich für halb-benebelt und sonst nicht😊

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  4. Danke für die Info, ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende

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