Alles für die Katz #1

Nachruf auf Sissi G.

Vor fünf Jahren ist sie gestorben, mit knapp 65 Jahren. Je nachdem wie alt man selbst ist, kommt einem das „eh schon sehr alt“ oder „viel zu jung vor“.

Ich mochte sie gerne. Sie war eine Kollegin von mir, die sich sehr aktiv in der Personalvertretung engagierte und vielen Leuten in kleineren und größeren Konfrontationen mit dem Dienstgeber zur Seite stand. Einmal auch ihrem jahrelangen „Lieblingsfeind“, der von allen seinen Kumpeln fallengelassen worden war und schließlich „die liebe Sissi“ entdeckte nachdem er sich auch bei seinen unmittelbaren  Vorgesetzen in die Nesseln gesetzt hatte.

Sie war eine sehr gebildete Frau mit viel Freude an Sprache(n).Oft haben mir miteinander Scrabble gespielt. Ich erinnere mich an meinen größten Triumph, die „Nylonjurte“, die sie mir nicht durchgehen lassen wollte. Was haben wir beim Spielen gelacht ….. Viele Schulbeginns- und Schulschlußfeste hat sie veranstaltet. Jahrelang waren die für mich und viele andere Anfangs- und Endpunkte des Schuljahres. Immer gab es da Fleischlaberl (=Bouletten) von ihrem hochgeschätzten Fleischhauer (=Metzker) um´s Eck und Sissi thronte an einem Ende des Tisches und erklärte jedem Neuankömmling wo was in der Küche zu finden sei.

Sie war ungemein großzügig mit ihrer Zeit und ihren Besitztümern und hatte unendlich viel Verständnis für die abstrusesten Eigenheiten ihrer Mitmenschen, aber wenig Freude und großes Mißtrauen gegenüber allen Neuerungen im beruflichen Umfeld. Das war es auch, was ich nicht so gerne an ihr mochte, ihre Ablehnung und ihr Negativismus allen Neuerungen gegenüber.

Nachdem sie gestorben war, beschlossen wir noch einmal ein Fest zu ihren Ehren abzuhalten und bei dieser Gelegenheit forderte ihr Partner alle Anwesenden auf sich ein Erinnerungsstück auszusuchen und mitzunehmen. Ich habe diese Katze genommen, die nun bei mir in einem Blumentopf wohnt und mich an ihre frühere Besitzerin erinnert.

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23 Gedanken zu “Alles für die Katz #1

  1. Ich bin zwar Vegetarier, aber das Wort „Fleischlaberl“ (und vergleichbare österreichische Wortgebilde) finde ich ziemlich putzig…. 😊 zum Tod möchte ich aber nichts sagen außer: in meiner Imagination ist er ein Engel des Lichts, der uns sanft und freundlich auf die andere Seite geleitet. Für mich ist das Sterben nicht eine Tür, die sich schließt, sondern eine Tür die sich öffnet… wohin, das bedarf keiner Theorie… nur dies ist wirklich entscheidend: es ist ein Hineingehen in ein Leben und nicht ins Nichts.

    Liebe Grüße zu Dir

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  2. Viel mehr kann man nicht erreichen, als in positiver Erinnerung zu bleiben und damit ein paar Spuren hinterlassen zu haben, die die nächste Generation ein wenig prägen. Wenn man das erreicht, ist das doch toll.
    Wenn ich wüsste, das mir dies gelänge, ich glaube, das würde mich am nachhaltigsten freuen.
    (Auch wenn ich mir über die grammatikalische Korrektheit dieser Worte grade nicht mehr sicher bin, andererseits ist mir das egal…) 😉

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    1. Aber ja doch, ein tadelloser 2. Konjunktiv 🙂 🙂
      Ich finde auch, dass es ein schöner Gedanke ist, nachfolgenden Generationen in guter Erinnerung zu bleiben. Leider erfährt man es halt nicht mehr…

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      1. Ah, ich wusste nicht mehr wie das Ding heißt. Schlimm ist das….
        Wenn man da immer im 3. Konjugativ Perfekt Präsens Temperumdidum schreiben will.
        Vielleicht auch gut wenn man es nicht erfährt, der Mensch neigt in solchen Lob-Situationen zu unangemessenem Verhalten. 😉

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  3. Jetzt sage nur noch, dass bei der „Nylonjurte“ das Y oder das J auf einem hellblauen oder gar dunkelblauen Feld gelandet ist. Aber gibt es denn tatsächlich 10 Buchstaben, ich dachte, man zieht nur 8.
    Es ist doch wunderbar, wenn sich andere so liebevoll an einen erinnern.

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    1. Da kann ich mich genau erinnern an diesen grandiosen Augenblick: die Jurte lag schon dort und ich wollte Nylon dazulegen. Irgendein Buchstabe lag auf dunkelblau ….. Und dann haben wir lang und breit darüber debattiert, ob es das Wort geben kann oder nicht …..
      *seufz*

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