la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Daggi 22 – Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen

13 Kommentare

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Siba Shakib

„Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“

Goldmann 2001

Aufgabe 6: Ein Buch, das dich traurig oder nachdenklich gemacht hat

Siba Shakib ist eine deutsch-iranische Autorin, die im Iran aufgewachsen ist. Ob die Geschichte der Shirin-Gol eine echte Biographie ist oder von der Autorin erfunden, ist unmöglich festzustellen, aber so oder ähnlich wird wohl das Leben vieler afghanischer Frauen ausgesehen haben und aussehen.

Shirin-Gol ist die vierte Tochter und das neunte Kind ihrer Mutter. Sie wächst mit 10 Geschwistern auf und ist noch sehr klein, als „die Russen kommen“. Die Familie zieht nach Kabul, wo Shirin -Gol in die Schule geschickt wird.

„In ihren Stadtjahren lernt Shririn-Gol zu begreifen, dass sie noch ein Kind ist und dass zum Kinderleben viele Dinge gehören, die sie bislang nicht gekannt hat. Die wichtigsten sind: spielen, nicht nur mit Mädchen, auch mit Jungen, ungefragt sprechen dürfen, rennen, springen, keinen Schleier tragen, nicht immerzu die kleinen Geschwister an der Hand, auf dem Arm, am Rockzipfel haben, singen, albern sein, schreien. Shririn-Gol genießt es, Kind sein zu dürfen und möchte es am liebsten für immer bleiben.“

Die Russen kommen und gehen, der Krieg bleibt, die einen Mujahedins gegen die anderen. Shirin-Gol hat einen Mann geheiratet, der sie beim Karten spielen mit ihrem Bruder gewonnen hat. Sie hat Glück und gewinnt ihn lieb. Der Krieg breitet sich aus bis Kabul, Shirin-Gol flüchtet.

„Von nun an bewegt sich der kleine Treck von Frauen und Kindern nur noch nachts. In der zwölften Nacht zählt Shirin-Gol die Tage und Nächte nicht mehr. In der vierzehnten Nacht hat sie keine Kraft mehr weiterzugehen.In der fünfzehnten schleppt sie sich und ihre Kinder dennoch weiter, und in allen weiteren Nächten ebenso.

Sie gehen auf der gleichen Straße, den gleichen Pfaden und Wegen wie Hunderte, Tausende, Millionen Afghanen. Seit über zwei Jahrhunderten bis heute. Die gleichen Wege und Straßen auf denen Könige und Krieger ihr Heer geführt haben. Dariush, der König der Perser, Alexander, der König der Griechen. Die Mongolen waren hier, die Briten, die Russen, die Amerikaner, Bin Laden war hier, der KGB und der CIA und jetzt Shirin-Gol und ihre Familie. Es ist die Straße, die von Kabul in Richtung Jalalabad führt und sich von dort in steilen und engen Serpentinen weiter durch die freien Stammesgebiete über den legendäre Khyberpass nach Pakistan schlängelt.“

Das Leben der Shirin-Gol führt von einem Ort zum anderen, von Afghanistan nach Pakistan in den Iran und wieder zurück durch Kriegsgebiete und Flüchtlingslager. Ihr Mann ist opiumsüchtig geworden, es werden viele Kinder geboren. Ihr sozialer Status als Frau wechselt von unterdrückt zu nicht-als Mensch-anerkannt. Es ist eine erschütternde Geschichte, die mit einfachen einprägsamen Worten erzählt wird. Es gelingt der Autorin atmosphärisch sehr dichte Szenen zu beschreiben.

Der Titel des Buchs ist vielleicht einfach das Ergebnis wohldurchdachter Marketingstrategien oder aber er möchte die Geschichte in einen religiösen Zusammenhang stellen. Als Agnostikerin finde ich es ohnehin schon schwer verständlich, wie man die Vorstellung eines gütigen Gotts aufrecht erhalten kann. Warum aber dieser allmächtige, gütige Gott, dann nur noch weint anstatt irgendwie einzugreifen, erschließt sich mir gar nicht. Ich habe also mit dem Titel dieses Buchs so meine Probleme.

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13 Kommentare zu “Daggi 22 – Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen

  1. Doch, über Glauben kann man diskutieren, sogar sehr gut. Schließlich geschieht dies mit Herz und Verstand (ich glaube als ganzer und nicht nur als halber oder gevierteilter Mensch) und nicht nur aus einer irrationalen Gefühlsduselei heraus. Ich bin auch für Aufklärung, deshalb stelle ich mich sehr gerne (!) solchen Gesprächen 🙂

    „Nein, leider macht es für mich nicht den geringsten Sinn, dass ein Gott Wesen erschafft um sie dann leiden zu lassen, ja sogar einen eigenen Sohn zeugt um diesen dann ebenfalls zu quälen.“

    An einen Gott, wie Du ihn hier ablehnst, glaube ich nicht, das sollte Dir aufgefallen sein. Ein gewisses Maß an Leiden gehört zweifellos zu dieser Welt, denn in einer vollkommenen Welt könnte sich nichts entwickeln. Wie sagt nicht Thich Nhat Hanh? „Ohne Schlamm kein Lotos“. Hier sind sich Christentum und Buddhismus sehr nahe, denn sie sehen das Leid, konfrontieren sich mit ihm und stellen die Frage, wie man es transformieren kann.

    Auch da kann man eine gemeinsame Basis finden.

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    • Ich bin auch der Meinung, dass eine gemeinsame Basis wie Liebe und Mitgefühl zwischen Menschen immer möglich ist, egal ob man an eine Religion glaubt oder nicht. Aber im Detail sind die Unterschiede schon groß. Zum Beispiel das Thema Christentum und Leiden finde ich äußerst schwierig. Eigentlich kann man hier keine Ähnlichkeiten mit dem Buddhismus sehen. Der Buddhismus beschäftigt sich damit das unvermeidbare Leiden der menschlichen Existenz zu analysieren und zu transformieren und beschäftigt sich nicht mit der Frage nach einem Schöpfungsgott, er nimmt die Welt wie sie ist. Im Christentum dagegen scheint das Leiden als Verdienst zu gelten. Aber gut, vielleicht sehe ich das falsch, Religion gehört nicht zu meinen Spezialthemen 🙂 Buddhismus interessiert mich als Lebensphilosophie, nicht als Religion ….
      Bist du denn ein orthodoxer Christ oder jemand, der sich aus er Religion das herausnimmt, was er gut findet ?

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  2. Einfach unvorstellbar und schrecklich das Schicksal dieser Frauen.
    Ob es unseren Müttern und anderen bei den großen Trecks im letzten Krieg ähnlich gegangen ist.
    Eine Welt ohne Krieg wäre so schön, doch irgendwie auch nicht mehr vorstellbar.

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  3. ..habe es gelesen…wunderschön und wirklich zum nachdenken!
    liebe Grüße Sahra

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  4. Das Buch habe ich hier auch noch auf dem Stapel ungelesener Exemplare zu liegen. Ich bin gespannt.

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  5. „Als Agnostikerin finde ich es ohnehin schon schwer verständlich, wie man die Vorstellung eines gütigen Gotts aufrecht erhalten kann“

    Durch Liebe?

    „Warum aber dieser allmächtige, gütige Gott, dann nur noch weint anstatt irgendwie einzugreifen, erschließt sich mir gar nicht.“

    Gott weint, liebt, lacht und leidet im, mit und durch den Menschen und seine ganze Geschichte. Er verändert sie auch mit und durch uns. „Deine Augen in unseren Augen“, so sagte es Madeleine Delbrel, die in ihrer Jugend selbst Atheistin war. Bis sie dann durch die Begegnung mit Christen eine Wende erlebte. Sie beschrieb diese Erfahrung, als einen Übergang vom Tod zum Leben, die Möglichkeit aus einem unerhörten Glück zu leben inmitten einer leidenden Welt, das war für sie die Bedeutung des Evangeliums.

    Für Delbrel bedeutete das auch, dass sie in ihrem eigenen Leben an die Ränder geht, an die Peripherie der Gesellschaft, um ihr Leben mit den Armen zu teilen. Der gütige Gott wird also durch uns, durch inspirierte liebende Menschen spürbar und glaubwürdig, wie das in Jesus sichtbar wird: „Wir haben nur ein Ziel, und zwar nicht das Ziel, etwas zu tun, sondern das Ziel, etwas zu leben: das Abbild Jesu Christi zu sein, indem wir sein Evangelium leben.“, so schrieb schon die 20-jährige Delbrel.

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    • Lieber Krieger ! Es macht ja keinen Sinn über Religion zu diskutieren. Dank der Aufklärung leben wir in einem laizistischen Umfeld, in dem Religionsfreiheit herrscht. Jede/r kann sich aussuchen ob er/sie diesen oder jenen oder überhaupt irgendeinen oder mehrere Götter verehren möchte oder eben nicht.
      Mir ist schon klar, dass man im gläubigen Milieu viele Erklärungen dafür gefunden hat, dass ein angeblich gütiger und allmächtiger Gott den Leiden der Welt entweder gleichgültig oder ohnmächtig gegenübersteht.
      .
      Aber über die Kraft der Liebe und des Mitgefühls und die Notwendigkeit der Mitmenschlichkeit sind sich wohl alle Menschen guten Willens einig, egal ob sie irgendeiner der vielen vorhandenen Religionen anhängen oder nicht. Vielleicht gibt uns dieser Gedanke eine gewisse gemeinsame Basis auch wenn du sicher nicht meiner Meinung sein wirst, dass für die Menschen in Afghanistan die UNO und viele Menschenrechts- und Hilfsorganisationen viel mehr getan haben als der von ihnen verehrte Gott.

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      • Hallo, liebe Myriade. Für mich ist Gott die Kraft der Liebe (also auch die Liebe in Dir 😉 ) – und ja, ich denke, dass uns das alle verbindet. Unabhängig von irgendeiner Religion.

        „Vielleicht gibt uns dieser Gedanke eine gewisse gemeinsame Basis auch wenn du sicher nicht meiner Meinung sein wirst, dass für die Menschen in Afghanistan die UNO und viele Menschenrechts- und Hilfsorganisationen viel mehr getan haben als der von ihnen verehrte Gott.“

        Ich bin der Ansicht, dass „er“ es DURCH diese Menschen getan hat.

        „Mir ist schon klar, dass man im gläubigen Milieu viele Erklärungen dafür gefunden hat, dass ein angeblich gütiger und allmächtiger Gott den Leiden der Welt entweder gleichgültig oder ohnmächtig gegenübersteht.“

        Aus christlicher Sicht ist Gott sogar selbst Mensch geworden und hat sich mitten in das Leiden hinein begeben. Die christliche Mystik hat das dann noch mal erweitert und gesagt: unser aller Leben ist göttliches Leben, welches sich für eine gewisse Zeit in dieser menschlichen Form ereignet.

        Nicht nur in den schönen Momenten, sondern auch mitten im Leiden. Selbst am Kreuz. Die Liebe, die Gott ist, umfasst für mich das alles. Vielleicht macht das mehr Sinn für Dich? 😉

        Gruß,
        Mark

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        • Nein, leider macht es für mich nicht den geringsten Sinn, dass ein Gott Wesen erschafft um sie dann leiden zu lassen, ja sogar einen eigenen Sohn zeugt um diesen dann ebenfalls zu quälen. Dass die Liebe Gottes eben auch das Leiden einschließt, klingt für mich – du verzeihst mir – wie eine Sado-Maso Beziehung.
          Aber wie gesagt, über Glauben, woran auch immer, kann man nicht diskutieren. Es freut mich, wenn du oder sonst jemand sich in seinem Glauben geborgen fühlt ….

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