la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Skizzen 2

14 Kommentare

G. ist eine junge Frau Anfang Dreißig, sehr freundlich, mit einer fantastischen Figur, voll Energie. Seit vielen Jahren fährt sie regelmäßig von  Polen nach Österreich um zu arbeiten. Nachdem sie sehr jung ihr erstes Kind bekommen hat, konnte sie keine Ausbildung beenden und gehört nun zum immer größer werdenden Heer der von Osten nach Westen reisenden Putzfrauen, nach Maßstäben der Wirtschaft unqualifiziert, eigentlich aber sehr tüchtig und effizient. Bei sich zuhause putzt in ihrer Abwesenheit eine Frau, die dafür auch bezahlt wird, aber auf polnischem Lohnniveau.

Sie stammt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Krakau. Ihre Eltern betreiben eine Landwirtschaft mit Getreide- und Gemüseanbau, die in den letzten Jahren immer weniger Geld bringt. Ihr Bruder, der den Hof schon übernommen hatte, lebt jetzt mit seiner Frau in Deutschland und beide arbeiten am Fließband in einer Fabrik. Ihre älteste Schwester hat es auch nach Wien gezogen. Sie ist Krankenschwester mit einer langen Liste von Zusatzqualifikationen. Aber auch sie hat anfangs geputzt, weil es Jahre dauerte bis sie die Sprachkurse und sonstigen Bedingungen für die Nostrifikation ihres Diploms erbracht hatte. Jetzt geht es ihr finanziell recht gut, dafür arbeitet sie aber auch rund um die Uhr. Schließlich gibt es noch eine jüngste Schwester, die ein Wirtschaftsstudium absolviert und gemeinsam mit anderen eine Steuerberatungskanzlei eröffnet hat.

G. hatte Pläne. Sie wollte ihr Nomadendasein beenden und nach Wien ziehen. Ihre inzwischen 15jährige Tochter wollte sie mitnehmen. Was dadurch aus ihrer Ehe geworden wäre, hat sie mir nicht erzählt, aber ich hatte den Eindruck, dass ihr das recht unwichtig war. Nun ist sie aber im Dezember schwanger geworden. Sie wollte auf keinen Fall ein zweites Kind haben, sie hat viel geweint, sie will das Kind immer noch nicht. Welche Pläne sie hat, habe ich sie gefragt. Sie macht keine Pläne mehr, weil die ohnehin immer nur zusammenkrachen hat sie gesagt.

Wahre Geschichten ….

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14 Kommentare zu “Skizzen 2

  1. Sehr viel Tristesse in diesen wenigen Zeilen. Traurig – ich sehe die von G. gefühlte Ausweglosigkeit.

    In diesem Zusammenhang: http://www.moviepilot.de/movies/import-export-3

    Liebe Grüße

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  2. ohne Plan, ohne Traum ist die harte Wirklichkeit oft schwer zu ertragen, meiner Beobachtung nach sind die Pläne und Träume, die Erwartungen häufig zu hoch gegriffen, für die Umsetzung benötigen wir viel Geduld, Zeit und auch ein Quäntchen Glück.

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  3. Für mich wieder ein Beispiel, dass die erste Welt die zweite und besonders die dritte Welt ausbeutet.
    Womit hat Europa dieses Privileg verdient?

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    • Na ja, prinzipiell ist das so und es ist ein Ausdruck der ungleichen Chancen in der Welt, je nachdem wo man das Glück oder das Unglück hatte geboren zu werden.Nur diese Art von Migration bedeutet zwar ein hartes Leben für die Betroffenen, aber in ihren Ursprungsländern haben sie dann sehr viel mehr Geld zur Verfügung als ihre im Lande arbeitenden Mitbürger. Obendrein bedeutet es, dass die Konkurrenz bei den nichtqualifizierten Arbeitssuchenden in den „Ausbeuterländern“ sehr hart ist und der Staat bekommt auch keine Steuern aus diesen Tätigkeiten.Die Arbeitsmigranten arbeiten natürlich alle schwarz im Land in dem sie arbeiten und im Land in dem sie das
      Geld ausgeben, zahlen sie natürlich auch keine Steuern. Tatsächlich profitieren aber diejenigen in der „ersten Welt“, die es sich leisten können Handwerker, Putzfrauen, Altenpfleger zu bezahlen, nicht aber der Staat als ganzes und auch nicht alle Bevölkerungsschichten.

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  4. mich macht es betroffen, wünsche einen wunderschönen Tag für dich

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  5. Wenn ein Plan nicht funktioniert macht man einen neuen Plan. Jeder kann das. Auch eine G.

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  6. Mich macht solches Wanderdasein betrübt. Die Betroffenen hängen oft zwischen zwei Welten und verlieren sich irgendwann dabei.

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