la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Habseligkeiten mit Sessel

6 Kommentare

mein Beitrag zu  *.txt  bei Dominik Leitner

Es war im Winter, zu der Zeit in der es immer wieder schneit. Eines Tages als ich morgens im Bus saß um zur Arbeit zu fahren, war eine Busstation besiedelt worden. Eines dieser Stationshäuschen mit Glaswänden und einer Metallbank im hinteren Teil in der Mitte. Da stand jetzt ein sehr großer Einkaufswagen vollgepackt mit Plastiksackerln und anderen Behältnissen, daneben ein Sessel Modell Schulen und öffentliche Veranstaltungsräume. Einer dieser unbequemen aber leicht zu reinigenden und problemlos stapelbaren Sessel. Auf diesem Sessel schließlich stand ein Metallkübel wie man sie bei Ikea kaufen kann und darin ein Strauß Plastikrosen. Vom Besitzer dieser Habseligkeiten war aber weit und breit nichts zu sehen. Da hatte ich noch die Theorie, dass vielleicht jemand umzog und ein paar Dinge dort zwischengelagert hatte. Nur die Kombination von Einkaufswagen und Sessel fand ich ungewöhnlich.

Später am Tag kam ich dort wieder vorbei und sah nun jemanden auf der Bank sitzen und essen. Wie sich später herausstellte war es eine Frau, die hier aus der Bustationsbank einen gedeckten Tisch gemacht hatte. Sie hatte etliche ihrer Plastiksackerl ausgepackt, die zum Essen notwendigen Dinge herausgeholt und um sich herum aufgestellt. Am nächsten Tag war ich ziemlich früh unterwegs und es schneite ein bisschen. Die Busstation war immer noch bewohnt, der Einkaufswagen samt Sessel mit einer Plane abgedeckt und verschnürt, die Bewohnerin lag auf der Bank und schlief.

So ging es mehrere Tage lang. Untertags standen die Habseligkeiten im Einkaufswagen in der Busstation, meistens mit den Plastikrosen obenauf. Die Stationsbewohnerin selbst sah man nicht so oft. Sie musste aber immer wieder umpacken, denn die Ladung des Einkaufswagens sah immer wieder anders aus. Vielleicht hatte sie irgendwo einen Schlafplatz, zu dem sie ihren Einkaufswagen nicht mitnehmen konnte. Jeden Morgen war ich neugierig, ob sie noch da war und die Polizei wohl ein Auge zudrückte, weil die Obdachlosenunterkünfte zu der Zeit alle hoffungslos überfüllt waren. Sie blieb sehr lange. Offenbar hatte sich noch niemand darüber beschwert, dass die Busstation für niemanden außer die Bewohnerin betretbar war. Darüber habe ich mich gefreut.

Dann war sie eines Tages weg. Spurlos, als wäre da nie etwas gewesen außer dem Wartehäuschen mit der Metallbank.

Es hat dann noch ein paarmal geschneit.

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6 Kommentare zu “Habseligkeiten mit Sessel

  1. Mir gefällt der lapidare Stil. es ist, wie es ist. Wichtig ist, es zu sehen.

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  2. eine zu Herzen gehende Geschichte.
    Wie schön, dass sie bleiben durfte.

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  3. Solche Geschichten können mir die Tränen in die Augen treiben. In Berlin kann man sie so oder ähnlich täglich mehrmals erleben, am Tag und auch am späten Abend.
    Ich würde von der nächsten Brücke oder so springen, wenn ich obdachlos wäre.

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  4. Spuren hat sie doch hinterlassen.

    Gefällt 1 Person

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