la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Daggi 10 – Haiders Schatten

11 Kommentare

Stefan Petzner

„Haiders Schatten“

Edition a Wien 2015

Aufgabe 29: ein Buch eines Autors von dem du bisher noch nichts gelesen hast. (und ich gedenke auch nicht noch irgendetwas von ihm zu lesen, für den Fall, dass er sich zu einem zweiten Buch aufschwingen sollte)

IMG_7592Ich habe schon eine Weile überlegt, ob ich mir das Machwerk kaufen soll, dann hat das Interesse überwogen und ich habe es gekauft. Und es ist wirklich bemerkenswert, was man in diesem Büchl zu lesen bekommt.

Schreibt da doch der Herr Petzner, den ganz Österreich für Haiders am längsten gedienten Liebhaber hält, dass seine Beziehung zu Haider keinerlei sexuelle Komponente gehabt habe.Das kann man jetzt für Verrat halten oder für (wahrscheinlich gut bezahlte) Freundlichkeit für Haiders Witwe und Töchter, jedenfalls ist es doch sehr unglaubwürdig.

Den meisten Menschen ist Haiders sexuelle Orientierung  wohl ohnehin egal, Mit Ausnahme der rechten Recken seiner Partei. Ich finde es bis heute verblüffend, dass einerseits die gesamte Glatzenszene heftigste Aggresionen gegen Homosexuelle auslebt, aber Haider haben sie verehrt. Die gesamte Presse, die seriöse wie der Boulevard, haben Haiders Homosexualität nie erwähnt oder gar ausgeschlachtet.

Das zweite Thema in Petzners Memoires, das ich sehr interessant gefunden habe war seine These, dass populistische Parteien unfähig seien zu regieren. Das Problem des Populismus bestünde darin, dass die anderen Parteien nicht damit umgehen könnten und somit die Schuld daran hätten, wie destruktiv sich eine Regierungsbeteiligung einer populistischen Partei auswirken würde.

Die europäischen Eliten haben den rechten wie linken Populisten durch ihre strategischen Fehler, ihr beharrliches Wiederholen falscher Gegenrezepte, ihre taktische Ungeschicklichkeit und ihr handwerkliches Versagen zu einem hypertrophen Symptom ihrer eigenen politischen Unkultur gemacht (…)

Haider und ich haben immer herzlich gelacht, wenn die Politologen, Soziologen und Meinungsforscher angetreten sind um unseren Erfolg zu erklären und die Frage zu beantworten, wie wir denn zu stoppen und zu verhindern wären. Sie waren ahnungslos und hilflos. Ihre Erklärungsversuche reichten niemals  an unsere tasächliche politische Denkart und Konzeption heran und erschienen uns immer kläglich. Trotz der Schwächen, die auch wir hatten, trotz all der Angriffsstellen, die wir zu Genüge boten, und die uns selbst sehr wohl bewußt waren, konnten wir uns dennoch stets sicher fühlen. Wir hatten nicht nur keine Gegner, unsere vermeintlichen Gegner spielten uns auch noch ständig in die Hände. Wir wussten immer, dass die Einzigen,die uns wirklich schaden konnten, wir selbst waren. Niemand sonst.

Das Buch ist schlecht geschrieben, strotzt von Widersprüchen, wechselt von eitlem Gegockel zu triefender Selbsterniedrigung. Ein insgesamt miserables Buch, aber doch recht erhellend, wenn auch nicht in dem Sinn in dem der Autor das gerne hätte.

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11 Kommentare zu “Daggi 10 – Haiders Schatten

  1. … und leider lässt sich auch nicht leugnen, dass der Umgang der „etablierten Parteien und Medien“ mit den rechts-populistischen Scharfmachern zu deren Wachstum beiträgt.

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    • Ja, das finde ich absolut richtig. Das Ignorieren und Lächerlichmachen der Populisten durch die etablierten Parteien, den Großteil der Intellektuellen und die Medien hat ganz bestimmt entscheidend zu deren Großwerden beigetragen.
      Erst vor sehr kurzer Zeit sind „wir“ draufgekommen, dass dadurch nicht nur rechtspopulistische Politiker sondern auch deren Wähler global verurteilt werden und das ist keine Basis für einen dringend notwendigen Dialog. Die jeweils anderen mit ein paar Parolen zu verurteilen, führt nur zur Eskalation der Situation nicht aber zu irgendwelchen Lösungen.

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  2. Du hast es wirklich „gekauft“?! ….“geschenkt ist noch zu teuer“ wäre auch hier sehr passend 😀 !

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    • Ich war neugierig und habs gekauft, weil mir ausborgen zu umständlich gewesen wäre, leider faul *schäm in Maßen* 🙂
      Es ist als Psychogramm eines abhängigen Opportunisten durchaus interessant. Auch als Sittenbild der Politik.
      Und das Motto „man muss wissen, was der Feind schreibt“ finde ich auch gut. Es bringt ja leider nichts, so zu tun als gäbe es diese Leute nicht. Das jahrelang praktizierte „nicht einmal ignorieren“ war wahrscheinich einer der Faktoren, der einen psychopathischen Narzisten wie Haider groß gemacht hat.

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  3. Warum das so ist, weiß ich nicht – aber für mich ist der 20. April immer als Geburtstags einer der größten A….löcher in der Geschichte in Erinnerung. Da passt doch der Herr Haider wunderbar in diese Reihe.
    A.H. hat ja auch die großen blonden Recken gelobt und war selbst klein und dunkelhaarig – so ist das mit der Liebe der Rechten zu einem Homosexuellen – diese Eigenschaft wird dann nicht erwähnt.

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    • Ja, „Führers Geburtstag“ 😦 😦
      Haider war ein urtypischer Narzist, der in einem Nazi-Milieu sozialisiert worden ist. Er beherrschte die Codes der Nazis, aber selbst hat er sich nicht unbedingt an deren Verhaltenskodex gehalten. Ich vermute, dass seine Homosexualität seine Horizonte erweitert hat. Ihm ging es um den Applaus, ums Publikum und ums Geld als Beweis seines Erfolgs. Und er war ein höchst begabter Rattenfänger und Manipulator.

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  4. Geschäftstüchtig scheint er in jedem Fall.

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    • Na ja, ich glaube nicht einmal das. Eigentlich hätte das Buch ja ein großer Erfolg werden müssen, ist es aber nicht.
      Irgendwelche Qualitäten hat jeder, beim Herrn Petzner dürften die aber noch ziemlich unentdeckt sein 🙂

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  5. Danke für die Einblicke in die Welt der rechten Populisten!

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  6. Vielleicht können Rechtspopulisten nicht nur nicht regieren sondern auch keine Bücher schreiben. Ich glaube aber, dass sie Geschichte schreiben. Ja,, ganz bestimmt.

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    • Die Theorie mit dem keine Bücher schreiben können, finde ich verlockend, wird wohl so sein 🙂
      Der Herr Petzner schreibt dieses Buch sei sein Beitrag zur Geschichtsschreibung. Na ja….. , aber dass die Rechtspopulisten Geschichte schreiben, läßt sich ja nicht leugnen

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