la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Klammerwahn – *txt

15 Kommentare

Klammerwahn

Mein Beitrag zu *.txt

Du musst, du musst, du musst dich melden. Wie oft habe ich jetzt angerufen – es läutet viermal oder fünfmal bevor die mailbox anspringt. Vorhin waren es aber dreimal, hast du da irgendetwas verändert während ich angerufen habe ?

Endlich, deine Stimme klingt komisch.Was ich will ? Na, mit dir reden, so kann das doch nicht stehen bleiben. Es gibt nichts mehr zu sagen?  Das sehe ich aber anders, ich muss unbedingt wissen, was du damit gemeint hast, dass das keine Zukunft hat, wieso denn nicht, was hat sich denn geändert?

Jetzt ruf ich nochmal an. Spätestens genau jetzt. Eigentlich müsste ich arbeiten gehen, aber unterwegs kann ich das nicht besprechen, außerdem bist du ja in einer Stunde in einer Besprechung – ich kenn doch deinen Tagesablauf – und dann geht gar nichts mehr. Jetzt muss ich mit dir sprechen, jetzt, jetzt, jetzt

Wenn es wieder zuerst viermal und dann fünfmal läutet, gehst du bestimmt ran. Es gibt nichts mehr zu sagen, du hast ohnehin schon eine Engelsgeduld mit mir ? Dann sag mir doch, warum du unlängst gesagt hast, dass wir nicht zusammenpassen. Du hast doch immer gesagt, wir passen so gut zusammen, genau das hast du immer und immer wieder gesagt. Was soll denn in meinen Kopf hineingehen ? Hast du es denn nicht gesagt ? Erklär mir das doch

Jetzt müsste ich wirklich zur Arbeit gehen, egal, ich bin krank. Du fährst jetzt sicher zu deiner Besprechung. Früher haben wir auch immer von Auto zu Auto telefoniert. Ich muss das jetzt unbedingt noch wissen. Als wir unter dem Baum in deinem Garten gesessen sind, hast du doch gesagt, das ist unser Baum. Was ist denn jetzt unerträglich, hast du das denn nicht gesagt ?

Du drehst das Telefon nach der Besprechung sicher wieder auf. Ich muss noch so viel wissen. Inzwischen werde ich mir das alles aufschreiben, was ich dich fragen muss.

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15 Kommentare zu “Klammerwahn – *txt

  1. Dieser Monolog ist sehr gut gelungen! Asymmetrie bei der Entwicklung einer Beziehung ist leider fast die Regel und Quelle großen Leids bei dem, der noch anhängt. Im Kopf mag er das ja hinkriegen, dass der andere nicht mehr will, aber das Gefühl macht nicht mit. Wer kennt das nicht, entweder auf der Seite des Noch-Anhängenden oder auf der Seite dessen,der seine Freiheit sucht?

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  2. Der andere am Ende der Telefonleitung muss sich ja wirklich bedrängt, verfolgt, gestalkt fühlen. Ich glaube kaum, dass sich sooooooooo eine Beziehung retten lässt.

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  3. Beklemmend. Prima. Und ich weiß, dass ich mich auch schon so gefühlt habe. Von daher: volle Punktzahl 🙂
    Liebe Grüße
    Christiane

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  4. Da bleibt keine Luft mehr zum Atmen. Gruselig treffend notierte Enge.

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  5. Coole Idee mit dem txt – hast du gut umgesetzt! 🙂
    Gefällt mir wirklich sehr.

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  6. Das Erkennen ist schwer. Eine einseitige Sicht hilft nicht mehr weiter. Trennstrich / Unterstrich und einen Neubeginn einen Neustart wünsche ich Dir.

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  7. Leider sind die Dinge so, wie sie sind.
    Wenn man etwas verloren hat, dann hat man es verloren.
    Was hilft?
    Für mich ist es hilfreich, mich anzustrengen und zu versuchen, die Situation dissoziiert zu sehen
    LG von Rosie

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