la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Einfach so …

13 Kommentare

… bin ich heute durch die Wiener Innenstadt gebummelt und kam dabei an einem von mir sehr geschätzten Denkmal vorbei: dem Mahnmal gegen Krieg und Faschismus von Alfred Hrdlicka (1928 – 2009). Es besteht aus fünf Teilen, die auf einem kleinen Platz hinter der Oper, gegenüber der Albertina stehen.

Wie alle zeitgenössischen Kunstwerke löste es in Wien heftigste Polemik aus. In diesem Fall ging es einerseits um den Künstler Alfred Hrdlicka, der vielen ein Dorn im Auge war, ein Unbequemer, ein überzeugter Kommunist, aber ein international anerkannter Künstler und andererseits um den Ort. Die konservative Volkspartei wollte das Mahnmal lieber irgendwo anders aufstellen, aber doch keinesfalls an einem so zentralen Ort. Hrdlicka konterte, dass er kein Wanderkünstler sei, der seine Werke auf Rädern durch die Gegend karrt, sondern, dass er – wie mit dem Wiener Bürgermeister vereinbart- dieses Mahnmal für genau diesen Aufstellungsort gemacht hätte.

IMG_3694Die großen Figuren des Mahnmals erinnern an die Ästhetik der 1930er Jahre oder an die Staatskunst kommunistischer Staaten.

IMG_3690Der vielleicht eindrucksvollste Teil ist der „straßenwaschende Jude“IMG_3692

Auch diese Figur hat Polemik ausgelöst. Viele hätten an Stelle einer in ihrer Erniedrigung dargestellten Person lieber ein positiv zukunftsweisendes Symbol der Überwindung von Rassismus und Verfolgung gesehen. Der Künstler sah das anders. Er meinte, dass  „nur die fortdauernde Provokation den schläfrigen Geist des Österreichers aus seiner Lethargie zu wecken vermag.“ Tja, das war dann wieder ein Ausspruch, der weder die Rechten noch die Linken erfreut hat. Aber auch die Kunst sich bei allen Seiten unbeliebt zu machen, beherrschte Hrdlicka mühelos

Einig waren sich dann allerdings alle in ihrer Empörung über die Touristen, die die Skulptur oft als Sitzplatz nutzten. Ich vermute einige Einheimische werden schon auch dabei gewesen sein… Jedenfalls aber war man sich dann allgemein einig, dass das eine unakzeptable Situation sei und daher wurde die Skulptur mit Stacheldraht bedeckt, was ja gut zur Thematik passt und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seinen Zweck erfüllt.

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13 Kommentare zu “Einfach so …

  1. Vielen Dank füür Ihren Beitrag, der mich wieder an Hrdlicka erinnert. In seinem späteren Leben ähnelte seine physische Gestalt immer mehr seinen Skulpturen.
    Ich war mal im Burgenland vor Jahrzehnten, da sind wir an den Steinbrüchen, in denen er gerade gearbeitet soll vorbeigekommen. Leider war er nicht da. Wir hätten ihn ohnehin wahrscheinlich bei seiner Arbeit gestört.

    Abendschöne Grüsse aus lautstarkklingenden Bembelland

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  2. Hier ist sowas bisher zum Glück noch nicht geschehen, das man es als Sitzgelegenheit benutzt.

    Danke fürs zeigen.

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  3. Es ist auch schlimm, das in Berlin das Holocaust-Denkmal von Kindern zum Fangenspielen genutzt wird, und sehr viele Touristen sich drauf setzen.
    Strassenwaschen, zu was Juden doch alles missbraucht wurden,…
    Ein wundervolles Denkmal, das mich sehr beschäftigt.
    Danke dafür
    Bärbel

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  4. der Stacheldraht für die Hintern geistig schläfriger Menschen – das ist fast noch besser als die Skulptur selbst. Im Gesamtbild ist sie übrigens besser, da dann das sozialistisch Realistische in den Hintergrund tritt und der Eindruck des Ragenden, Zerborstenen vorherrscht.

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  5. Vielen Dank für dein erhellendes Posting. Ich finde es immer wieder schön dazuzulernen. Interessant wäre es zu erfahren, wie Alfred Hrdlicka auf die „Stacheldrahtlösung“ reagiert hat, oder war die erst nach 2009?

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  6. Beeindruckend.
    Auch der Grund für den Stacheldraht.

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  7. ich bedauere nur, dass ich den einigen Malen als ich in Wien war, dies nciht gesehen hatte. Danke fuers zeigen, gerade der Strassenwaschende hat mich am meisten beruehrt. Und der Stacheldraht passt 100 % dazu

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    • Ja, es ist ein sehr eindrucksvolles Werk gerade mitten im Touristentrubel zwischen Fiakern, Konzertverkäufern im Mozartlook und japanischen Reiseleitern mit in die Luft gereckten Schirmen und gerade von einem wie Alfred Hrdlicka …

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