la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

DEMUT

33 Kommentare

Auf dem blog „was eigenes“ habe ich das Projekt „Schreibzeit“ gefunden und ein Thema dort lautet „Demut“.

Nun ist der Begriff „Demut“ einer, der mir im Rahmen meines Interesses für Buddhismus untergekommen ist und mit dem ich seit Jahren kämpfe und noch auf keinen grünen Zweig gekommen bin. Die Erwähnung von „Demut“ löst bei mir sofort heftigen Widerstand aus obwohl ich den Begriff nicht einmal für mich klar definiert habe. „Demut“ finde ich diffus bedrohlich, eigentlich erniedrigend.

Ich versuche mich der Sache durch gegenteilige Begriffe anzunähern. Demut ist auf keinen Fall das Gegenteil von Arroganz. Das ist Bescheidenheit, ein für mich durchaus positiv besetzter Begriff. Solange man es nicht übertreibt mit der Bescheidenheit. Es ist schon gut und richtig gelegentlich auf sich selbst und auf die eigenen Leistungen stolz zu sein.

Demut ist für mich auch nicht die Erkenntnis daraus, dass wir unser Leben nicht wirklich unter Kontrolle haben, dass „die allmächtige Zeit und das ewige Schicksal“ wie es bei Goethe heißt, unser Leben viel fester im Griff haben als wir selbst. Diese Erkenntnis erzeugt entweder Angst oder Gelassenheit. Gelassenheit ist für mich aber nicht im mindesten ein Synonym für Demut. Gelassenheit führt zu selbstbestimmter Befreiung von  Ängsten; wogegen Demut weder zu Selbstbestimmung noch zu Freiheit führt. Sage ich, aber es gibt zum Beispiel im Vajrayana-Buddhismus eine sehr interessante Verknüpfung zwischen Demut und Freiheit, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Ich will sie auch gar nicht nachvollziehen und rein intellektuell ist diese Verbindung nicht erfassbar.

Demut, finde ich, setzt die Existenz einer personalisierten höheren Macht voraus. Ein Feudalherr, ein König, ein Gott ….. Da ich die Existenz von Feudalherren, Königen und ähnlichen Personen ablehne und bekennende Agnostikerin bin, gibt es also für mich kein Ziel für potentielle Demut. Ebenso verhält es sich mit der Dankbarkeit. Ich finde, dass Dankbarkeit einen persönlichen Adressaten braucht. Ich kann einem Menschen dankbar sein, aber dem Schicksal ? Hat denn das Schicksal mir zuliebe „gehandelt“ ? Ich kann mich also freuen, dass die Dinge sich in einer bestimmten Art gefügt haben, aber wem sollte ich dafür dankbar sein ?

Fazit, Demut ist für mich ein Begriff aus einem religiösen Kontext in dem ein höheres Wesen verehrt wird, dem man sich mehr oder weniger bedingungslos unterwirft. Somit macht er für mich persönlich keinen Sinn. Warum er mich immer wieder so heftig irritiert, steht wahrscheinlich auf einem anderen Blatt…

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33 Kommentare zu “DEMUT

  1. Nun, die Demut. Viele haben ja bereits einiges dazu geschrieben. Die Standpunkte sind unterschiedlich. Das ist auch gut so.
    Anders ginge es wohl nicht.

    Ob man für seine eigene persönliche Demut nun ein personifiziertes und/oder höheres Wasauchimmer braucht, ob einem (so wie auch mir bisweilen) die Urkraft der Natur ein wenig Demut abnötigt, oder ob es undefinierbare … nun … „Anfälle“ von Demut aus den unterschiedlichsten Gründen sind, beschreibt die Unterschiedlichkeit von Menschen doch schon recht gut. Prima.

    Rein im religiösen Kontext sehe ich den Begriff, allein aufgrund meiner Erziehung, meines Lebens, keineswegs. Eher im Kontext auf Situationen, auf Umstände. Als eine Art der Dankbarkeit, auch der Achtsamkeit. Für das Umfeld. Für sich selbst.

    Schwierig zu beschreiben. Ganz klar eine freiwillige Sache, aus mir selbst heraus.
    Deswegen möchte ich Demut auch nicht mit Demütigung verwechseln. Das ist etwas anderes, etwas von außen.

    Ich denke, etwas mehr Achtsamkeit, Respekt, Dankbarkeit, Anstand und ja, auch Demut zur richtigen Zeit, würde unsere Gesellschaft wohl zu keiner schlechteren machen.

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  2. Demut.
    In unserer Zeit wird das Wort als erniedrigend empfunden.
    Warum?
    Denken wir nach. Die Rollen der beiden Geschlechter befinden sich längst nicht im Gleichklang. Solange Frauen gekränkt und Männer Besitz ergreifend reagieren, wird sich daran nichts ändern.
    Deshalb möchte ich das Wort Demut aus dem, zu oft benutztem, Bezug zum Geschlechterproblem lösen.
    Heute Abend waren wir kurz bei unserem Schwiegersohn, der Geburtstag hat. Die Zeit ist kurz, der Tag war lang. Er und seine kleine Familie hatten sich für diesen Tag Urlaub genommen und ihn zu dritt verbracht. Ein Essen beim Griechen, gekrönt vom Wohlverhalten seiner zweijährigen Tochter, war ihm sein schönstes Geschenk. Ganz kurz fuhren mein Mann und ich am Abend vorbei, um zu gratulieren. Eine zufriedene Familie fanden wir vor.
    Auf dem kurzem Heimweg sah ich den Kirchturm unserer Stadt, getaucht in lichtes Abendrot.
    Mich überkam ein unendlich beruhigendes Gefühl, geprägt von der Schönheit dieser Welt und der Wunder die sie uns schenkt.
    Mich erfüllte ein großes Staunen.
    Sollte ich ihm einen Namen geben wäre er Demut
    Meine besten Grüße zu dir mein liebes Sternchen.

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  3. Demut ist für mich keineswegs an religiöse Konzepte geknüpft. Es hat für mich auch nichts mit Unterwerfung zu tun. Vielleicht nicht mal etwas mit Dankbarkeit (wohl aber vielleicht ein Hauch davon). Demut ist für mich eine innere Haltung. Gespeist von Respekt für das, was der andere ist. Eine Art Anerkennung. Dankbarkeit weniger im Sinne von: Du hast mir einen Apfel geschenkt, also verehre ich dich. So nicht. Sondern eher so: Du hast mir etwas geschenkt, wofür ich danke und ich habe Vertrauen (in dich), dass das, was du tust und gibst und sagst etcpp. „gut“ ist. Demut ist eine Mischung aus Liebe und Respekt, Vertrauen und Anerkennung. Es allerdings in Worte zu fassen, fällt schwer. Demut ist für mich eine Form von Leichtigkeit. Eine Form, jemandem gegenüber zu treten und wohlwollend und vertrauensvoll zu sein. Für mich ist Demut definitiv etwas, was mit Freiheit zu tun hat. Besser kann ich es nicht beschreiben.

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  4. Bevor ich mir Gedanken gemacht habe, was ich selbst empfinde beim Stichwort Demut, habe ich mal bei Wikipedia nachgeschaut. Und wie ich es schon vermutet hatte, diese allgemein gültige Definition ist nicht meine. Mir widerstrebt es mich einer höheren Macht unterzuordnen. So wie ich mich generell ungern unterordne. Kann sein, dass das falsch ist. Kann sein, dass ich das mal endlich lernen sollte. Aber das ist ein anderes Thema. 🙂

    Eine Form der Demut aber, die unterstütze ich sehr gerne und voller Überzeugung. Und das ist die Demut vor den Naturgewalten und der unendlichen Schönheit der Natur. Da trete ich gerne ehrfurchtsvoll bzw. demütig einen Schritt zurück, fühle mich als machtloses, kleines Menschlein. Manche schreiben dies Gott zu und sind deshalb Gott gegenüber demütig. Ich empfinde das nicht so.

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    • Ich verstehe, was du meinst und empfinde das teilweise auch so. Aber neben der Machtlosigkeit den Naturgewalten gegenüber empfinde ich auch oft so etwas wie Verbundenheit mit dem Ganzen. Es widerstrebt mir auf dene Fall total dieses Gefühl „Demut“ zu nennen.

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  5. mir geht es mit dem begriff ähnlich wie dir. ich hab noch nie drüber nachgedacht, aber es löst eigentlich das gleiche aus. das ist in etwa so wie „fromm“. brr.

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  6. Aus genau diesem Grund habe ich dem Beitrag nun doch einen Stern gegeben: es ist ein sehr interessantes Thema! 😉

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    • Ich vermute, dass du ein religiöser Mensch bist und wir beide Demut von einem völlig anderen Blickwinkel aus betrachten. Trotzdem finden sich vielleicht bei weiterer Beschäftigung damit Gemeinsamkeiten. Ich bleibe dran ….

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  7. Demut hat fuer mich den Geschmack des Unterwerfen, warum, das kann ich dir nicht sagen. Bei uns im Glauben habe ich noch nie von Demut gehoert, scheinbar kommen wir ohne diesen Begriff aus. Es gibt dafuer genuegend andere Begriffe. Jeder interpretiert es auch etwas anders.

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  8. Demut ist für mich zuallererst ein altmodischer Begriff. Natürlich einer, der in der Kirche zu hören war. Demut hieß für mich als Kind, nicht vorlaut zu sein. Ins Erwachsenenleben übersetzt: mich nicht dauern in den Mittelpunkt zu stellen. Liebe ist für mich ein neuer Aspekt der Demut. Liebe in dem Sinn, dass ich für andere da bin, ohne Gegenleistungen zu erwarten. Das kann meine alte kranke Mutter sein, ihre Nachbarin im Heim oder andere Menschen dort, die desorientiert sind, sich aber dennoch gerne mal unterhalten wollen. Ein zahnloser Hund, ein betrunkener Spaziergänger, eine traurige Kollegin. Demut ist möglicherweise sowieso, nicht zu rechnen. Bescheidenheit passt für mich, indem es um das zurücknehmen des eigenen Ego geht. Ich muss mich dabei ja nicht weg krümmen. Wo Demut in die Nähe von Unterwürfigkeit kommt, wird der Begriff mir unsympathisch. Höflich ja, zuvorkommend auch. Aber Unterwürfigkeit ist tatsächlich demütigend, erniedrigend. Das möchte sich sicher niemand antun.

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    • Hallo Stephanie ! Es ist faszinierend, wie individuell verschieden „Demut“ interpretiert wird. Was du als „Demut als Aspekt der Liebe“ beschreibst, ist zum Beispiel für mich Mitgefühl.

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  9. Hm, ich finde weder dass man gegenüber jemandem noch gegenüber etwas dankbar sein muss, ja noch nicht einmal dass man für irgendwas dankbar sein muss. Ich denke man kann auch einfach nur dankbar sein, nur so. Es ist vermutlich einfacher, wenn man sich an jemandem oder etwas dabei festhalten kann, aber ich glaube nicht, dass es unmöglich ist. Ebenso glaube ich nicht, dass es für die Demut eines höheren Wesens bedarf noch einer höheren Instanz außer mir selbst.

    Ich denke auch nicht dass sich Demut und Stolz gegenseitig ausschließen. Stolz im Speziellen, das ich selbst vollbracht oder geschaffen habe muss nicht der Demut vor der Größe des Seienden an sich im Wege sein. und beides ist gleichzeitig möglich.

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  10. Demut kann auch befreien…
    Oh, oh…ich höre schon deine Widerworte…leider bin ich für ausführliches heute zu müde.
    Bitte erinnere mich. Liebe Grüße

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  11. Nicht einfach, über so etwas zu diskutieren.

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