la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Authentizität versus Reduktion

8 Kommentare

Anläßlich des Betrachtens von sehr schönen durch Bearbeitung farblich reduzierten Fotos bei Maren Wulf  habe ich wieder einmal über das Thema nachgedacht.

Beim Malen ist mir Reduktion ein Begriff.   Aufgrund meiner persönlichen Herangehensweise an ein Bild:  „zunächst einmal viel Farbe, dann sehen wir weiter 😀 „, muss ich jedes Bild immer reduzieren. Ich habe gelernt, dass es eine Entscheidung für und gegen jedes einzelne Detail gibt. Oft ist einfach nicht klar, ob ein Bild fertig ist oder nicht und manchmal hört man dann auf bevor es fertig ist, oder man malt es zu Tode. Die wirklich schwierige Frage, wann ein Bild denn nun fertig ist, hat mir meine Malmeisterin kürzlich sehr gut beantwortet: Ein Bild ist fertig, wenn jedes Detail die Aussage des Bildes fördert.

So sieht eines meiner „da habe ich mich richtig ausgetobt- Bilder“ aus. Viel Farbe, die fließen durfte, wie sie wollte, Sand …… Also das hat wirklich Spaß gemacht. Wenn jetzt aber ein fertiges Bild daraus werden soll, das eine Aussage hat, außer „hui, war das schön“, muss es auf jeden Fall reduziert werden. Das ist in verschiedene Richtungen möglich. Es könnte ein ruhiges Bild mit Spiegelungen werden, dann muss ziemlich viel weg, ein allegorisches Bild, es kann mehr ins Gegenständliche gehen oder mehr ins Surreale, es kann wärmer werden oder noch kälter und, und ……. Trotzdem habe ich natürlich zu dem Bild so wie es ist eine gewisse persönliche Beziehung, die sicher anders ist, als die Beziehung, die ich zu einem reduzierten, technisch verbesserten Bild hätte.

IMG_2770

Wenn man nun aber das Thema Reduktion in der Fotografie betrachtet, so ist die Situation ja eine ganz andere: das Motiv ist vorhanden, das FotografInnenauge entscheidet „nur“ den Ausschnitt, den Blickwinkel, die Belichtung …

Die Bearbeitung eines Fotos ist eine Veränderung der Natur. Soweit ein Foto den objektiven Eindruck überhaupt wiedergeben kann. Soweit es einen objektiven Eindruck überhaupt gibt.

Ich denke, dass die farbliche Reduktion eines Fotos oder das Herausretouchieren einzelner Teile im Grunde das Ziel hat, die Aussage des Fotos so zu gestalten, dass alle Betrachter, die vom Fotografen beabsichtigte Aussage auch gut sehen können.

Bei Maren Wulfs Fotos zum Beispiel unterstreicht der Sepiaton den Moorcharakter der Landschaft. Diese Bearbeitung erhöht die Qualität des Fotos als Darstellung einer Moorlandschaft, aber andererseits erschwert sie andere mögliche Wahrnehmungen. Es kann ja sein, dass andere BetrachterInnen für sich einen anderen Aspekt dieser Landschaft als wichtiger oder hervorhebenswerter eingestuft hätten.

Also würde ich sagen, dass bei einem Foto Reduktion oder Bearbeitung im Allgemeinen dazu führt, dass die Sichtweise der Fotografierenden über jene der BetrachterInnen gestellt wird. Was ja absolut legitim ist.

Die – im Rahmen des Möglichen – naturgetreue fotografische Darstellung eines Objekts, einer Landschaft – berührt meiner Meinung nach die BetrachterInnen aber direkter, weil sie ungefilterter ist. Das heißt, sie bietet den Betrachtern eine bessere Gelegenheit das Objekt als solches zu sehen und nicht die Interpretation der Fotografen. Je direkter die Verbindung zwischen Betrachtetem und Betrachter ist umso stärker ist auch die Berührbarkeit.

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8 Kommentare zu “Authentizität versus Reduktion

  1. Genau! murmelte ich beim Lesen des Absatzes, in dem es um das Malen geht. Es ist eine Sache mit viel Herzklopfen, wenn man ein Bild (wie das oben abgebildete) gemacht hat – und nun interveniert. Zum Glück, sage ich mir dann, gibt es ja jedenfalls das Foto von der Phase des Bildes, das ich jetzt kaputtmale, um es zu verbessern. Schicht um Schicht sich voranarbeiten, das ist jedesmal wie ein Stirb und Werde. Da ich diese Anspannung nicht immer aushalte, habe ich meine „Legebilder“ erfunden. Übrigens: Guter Bildentwurf!

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    • Ich bin ja nur eine Hobbymalerin und habe oft lange gar keine Zeit zum malen.
      Das „kaputtmalen um es zu verbessern“ ist aber offenbar auch bei „Profis“ ein immer wieder auftauchendes Thema.
      Manchmal geht es mir einfach so, dass ich aus der Inspiration irgendwie herausfalle und mir mein eigenes Bild dann fast fremd ist und ich kein Gefühl mehr dafür habe, ob es fertig ist oder nicht und wenn nicht, was noch fehlt.

      „Stirb und werde“ kann ich auch sehr gut nachvollziehen, ich finde es oft sehr schwer ein Element loszulassen, auch wenn ich selbst sehe, dass es das Bild nicht voranbringt …

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  2. ich bin etwas gegen aufpaeppeln oder abaendern von Bildern, sowohl gemalte als auch fotografierte. Manchmal kommen ueberarbeitet Bilder sehr gut raus, aber oefter verlieren sie irgendwie etwas. Aber jeder hat seine eigene Art, was ihm gefaellt und muss dann damit gluecklich werden

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  3. Freut mich, dass du dich hast anregen lassen. Über deine Formulierung „ein Bild totmalen“ musste ich sehr lachen. Das habe ich oft beobachtet, wenn Kinder – trunken vor Freude über die vielen Farben – Schicht um Schicht auftrugen, um irgendwann traurig auf eine graubraune Matsche zu blicken. Bei deinem Bild fallen mir tatsächlich als Erstes die Spiegelungen ins Auge. – Zum Fotografieren (das mehr sein will als Knipsen) nur kurz: Auch da geht es nach meinem Verständnis um mehr als Reproduktion, nämlich ebenfalls um eine eigene Aussage und Handschrift des Fotografen: das Wesen(tliche) einer Situation (eines Moments, eines Menschen…) einzufangen, Geschichten zu erzählen, künstlerischen ausdruck zu finden…, alles sehr subjektiv. Technik ist das eine, wichtiger noch ist m.E. das Auge.

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  4. Schön, dass Du beide Seiten betrachtest. Und stehen lassen kannst. Ich denke auch darüber nach, probiere, überprüfe Wirkungen…und bin oft auch sehr ambivalent in meinen Gefühlen 🙂
    Und fertig werde ich, glaube ich, oft gar nicht…
    Liebe Grüße
    Stachelvieh

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  5. Vielleicht interessiert dich dann auch Dully Peppers Seite http://dullypepper.com/ 🙂

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